„Mach es einfach!“
Ein Gespräch mit der amerikanischen AutorinJackson Pearce über ihren Roman
DREI WÜNSCHE HAST DU FREI
Jackson Pearce wurde 1984 in North Carolina geboren. Sie liebt süßen Eistee, Popmusik und die Vormittagsvorstellungen im Kino, wenn sie den Saal fast ganz für sich allein hat. Wenn sie eine historische Persönlichkeit treffen könnte, würde sie sich für Eleonore von Aquitanien entscheiden – und das aus gutem Grund: „Mein Vater hat viele Jahre lang Ahnenforschung betrieben und herausgefunden, dass sie eine Vorfahrin von uns ist – cool, oder?“ Jackson Pearce lebt mit einer schielenden Katze und einem leicht außerirdisch aussehenden Hund in Atlanta im Bundesstaat Georgia. Mehr über sich verrät sie auf ihrer Website www.jacksonpearce.com und im folgenden Interview.
PAN VERLAG: Wann haben Sie gemerkt, dass Sie ein Talent für das Schreiben haben?
Jackson Pearce: Ich habe mit dem Schreiben angefangen, als ich zehn Jahre alt war. Damals habe ich gar nicht groß darüber nachgedacht, ob ich nun das Talent dafür habe oder nicht. Es ging mir einfach nur darum, dass ich eine ganz bestimmte Geschichte lesen wollte, die aber in keinem Buchladen zu finden war – also musste ich sie mir eben selbst schreiben. Mit 14, 15 Jahren dachte ich, dass ich eventuell ja gar nicht so schlecht darin bin. Dass ich wohl wirklich Talent habe, wurde mir aber erst klar, als ein Agent sich für meinen ersten Roman DREI WÜNSCHE HAST DU FREI interessierte.
PAN VERLAG: Sie wollten also schon immer Schriftstellerin werden?
Jackson Pearce: Als Kind wollte ich unbedingt – und ich meine unbedingt – in einem Zirkus auftreten. Das wäre doch super, oder? Inzwischen glaube ich allerdings nicht mehr, dass Hochseilartistik wirklich meine Zukunft ist … Die beste Entscheidung meines Lebens war es, nicht länger nach Entschuldigungen zu suchen, warum ich es nicht schaffen sollte, meinen Traum zu verwirklichen, einen Roman zu schreiben, sondern es einfach zu machen.
PAN VERLAG: Das hört sich fast nach einer Lebensphilosophie an …
Jackson Pearce: Das ist es tatsächlich: Such nicht nach Entschuldigungen, denn es gibt keine dafür, nicht das zu tun, was du liebst – auch wenn du Angst hast oder zu beschäftigt, zu müde oder unsicher bist. Mach es einfach.
PAN VERLAG: Seit wann arbeiten Sie hauptberuflich als Schriftstellerin?
Jackson Pearce: Seit März 2009. Davor habe ich für eine Firma Abrechnungssoftware getestet – ja, das ist genau so spannend, wie es sich anhört … Ich war richtig mies in diesem Job und es ist ein Wunder, dass man mich nicht nach einer Woche gefeuert hat. Außerdem arbeite ich nebenbei noch als Trainerin für Formationstanz an einer High School.
PAN VERLAG: Was mögen Sie daran, Schriftstellerin zu sein?
Jackson Pearce: Das Allerbeste ist natürlich, dass ich tun kann, was ich wirklich liebe – und dass ich mir meine Zeit frei einteilen kann: Wenn ich mitten in einer Geschichte stecke, kann ich richtig ranklotzen und jeden Tag zehn Stunden oder länger vor dem Rechner sitzen, ohne dass mich jemand stört. Es kommt durchaus vor, dass ich darüber komplett vergesse, auch mal das Haus zu verlassen. Irgendwann wird mir dann bewusst: Diese Klamotten habe ich doch schon viel zu lange an … und sollte es wirklich drei Tage her sein, dass ich meine Haare gewaschen habe? Ich bin während meiner Schreibphasen sicher kein schöner Anblick, aber ich tauche so tief in die Geschichte ein, dass ich alles um mich herum vergesse. Dafür kann ich mir aber auch ein oder zwei Wochen Auszeit gönnen, wenn ich einen Handlungsbogen abgeschlossen habe.
PAN VERLAG: Und in der Zeit schalten Sie richtig ab?
Jackson Pearce: Ja, aber natürlich mache ich mir trotzdem die ganze Zeit Gedanken über das, was ich als nächstes schreiben will, und Notizen. Vor allem lese ich viel – denn das kann meine Kreativität für neue Projekte beflügeln.
PAN VERLAG: Sie lassen sich also von der Arbeit anderer Schriftsteller beeinflussen?
Jackson Pearce: Ich glaube, dass jedes Buch, das ich bis jetzt gelesen habe, mich und meine Arbeit in irgendeiner Weise beeinflusst hat. Sowohl positiv, als auch negativ: Manche Autoren finde ich einfach großartig und bemühe mich natürlich, etwas von ihnen zu lernen. Andererseits kommt es aber auch vor, dass mir bestimmte Sachen nicht gefallen – das versuche ich dann bei meinen eigenen Büchern zu vermeiden.
PAN VERLAG: Ich diesem Zusammenhang: Welches Buch würden Sie jedem Leser empfehlen?
Jackson Pearce: Ganz eindeutig Wer die Nachtigall stört von Harper Lee und Fahrenheit 451 von Ray Bradbury. Beides sind intelligente Auseinandersetzungen mit wichtigen Themen und gleichzeitig fesselnde Geschichten, die einfach mehr zu bieten haben als nur den sozialkritischen Hintergrund; Wer die Nachtigall stört erzählt nicht nur von Rassismus und Fahrenheit 451 nicht nur von Zensur. Ich betone das so, weil viele Menschen automatisch annehmen, dass es langweilige Bücher sind, nur weil sie zur Pflichtlektüre in der Schule gehören.
PAN VERLAG: Kommen wir noch einmal auf Ihren Alltag als Schriftstellerin zurück: Wie muss man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?
Jackson Pearce: Ich liebe mein Arbeitszimmer – es steht voller Bücherregale, hat große Fenster und einen riesigen Tisch, auf dem alles Platz hat, was man braucht, wenn man einen ganzen Tag lang schreibt. Und noch dazu gibt es nebenan einen Kühlschrank voller Cola Light.
PAN VERLAG: Das hört sich alles fast zu gut an, um wahr zu sein. Gibt es auch irgendetwas, was Sie an Ihrem Beruf stört?
Jackson Pearce: Ganz ehrlich? Überhaupt nichts! Ich liebe es einfach!
PAN VERLAG: Und wenn Sie trotzdem einmal schlechte Laune haben – was machen Sie, um sich aufzumuntern?
Jackson Pearce: Fruit Rollups helfen immer. Und Baden. Und ein gutes Buch, das ich lese, während ich in der Badewanne liege und Fruit Rollups esse. Was mir aber auch immer wieder großes Vergnügen bereitet: Wenn Teenager sich vernünftiger verhalten, als man es ihnen zutraut. Schlecht Laune bekomme ich hingegen, wenn ich mit Erwachsenen zu tun habe, die sich wie Kinder benehmen.
Jackson Peareces Debütroman:
DREI WÜNSCHE HAST DU FREI
In ihrem ersten Roman DREI WÜNSCHE HAST DU FREI erzählt Jackson Pearce die Geschichte der 16jährigen Viola, die sich nichts so sehr wünscht wie einen Menschen, der sie liebt und das Gefühl gibt, dass sie zu ihm gehört. Ihr Sehnen danach ist so stark, dass sie dadurch einen Dschinn beschwört, auch wenn dieser bei Jackson Pearce nicht aus Tausendundeine Nacht und einer Flasche kommt.
PAN VERLAG: In DREI WÜNSCHE HAST DU FREI lassen Sie uns einen Blick in die Heimat der Dschinns werfen – Caliban ist bei Ihnen aber keine wunderbare Märchenwelt. Wäre das für einen Jugendroman nicht passender gewesen?
Jackson Pearce: Natürlich wäre es verlockend gewesen, aus Caliban ein magisches Königreich zu machen, aber das wollte ich ganz bewusst nicht – sonst wäre Dschinns am Anfang so pragmatischer Charakter einfach nicht glaubhaft gewesen. Ich wollte, dass er aus einer Welt mit festen Regeln und Gesetzen kommt und aus einem System, dem sich seine Bewohner zu unterwerfen haben. Wenn Dschinn in einer Märchenwelt voller Drachen und anderer Geschöpfe aufgewachsen wäre, würde ihn unsere moderne Welt überfordern, und dann hätte er sich wohl auch kaum in Viola verlieben können.
PAN VERLAG: Es gibt in DREI WÜNSCHE HAST DU FREI neben der Hauptfigur Viola die wunderbare Ollie, ein cooles, künstlerisch begabtes Mädchen – ist sie Ihnen ähnlich?
Jackson Pearce: Nein, das wäre doch eher Viola. In der Highschool war ich nie eine von den superbeliebten Schülerinnen, und ich habe mich oft nach jemandem – oder nach etwas – gesehnt, zu dem ich gehöre. Ich war zwar nicht so verloren wie Viola, aber ich denke, dass das Bedürfnis, jemanden zu haben, um dich nicht mehr wie einen völligen Außenseiter zu fühlen, ein Gefühl ist, das wir alle kennen.
PAN VERLAG: Viola sucht tatsächlich so verzweifelt nach Liebe, dass man als erwachsener Leser sie manchmal einfach in den Arm nehmen und ihr sagen will: „Schätzchen, Kopf hoch! Das ganze Leben liegt noch vor dir!“
Jackson Pearce:
Ich hasse es, wenn Erwachsene Jugendlichen solche Sachen sagen!
Das ist ungefähr genauso sinnlos wie: „Morgen scheint bestimmt wieder die Sonne!“
Ja, das mag vielleicht richtig sein, aber heute hilft es mir kein bisschen weiter,
und eigentlich kann man darauf nur antworten: „Bitte besorg mir einen Regenschirm und hör auf,
über Morgen zu quatschen!“
Wie auch immer: Ich habe Violas Sehnsucht so betont,
weil das ein Gefühl ist, das jeder von uns kennt, ob wir es nun wollen oder nicht.
Wir alle haben uns schon mal einsam gefühlt, uns einen Menschen gewünscht,
der zu uns steht und der uns versteht. Das ist ein sehr reales, überwältigendes Gefühl,
und wenn man es gerade erlebt, bekommt man oft Angst, dass es niemals wieder enden wird.
Deswegen war es mir auch wichtig, dass Viola einen Weg findet, glücklich zu werden und das
Gefühl von Zugehörigkeit auf eine Art findet, mit der sie nicht gerechnet hat.
PAN VERLAG: In heiteren Frauenromanen hat fast jede Heldin einen besten schwulen Freund – hat Sie das zu Lawrence inspiriert?
Jackson Pearce: Natürlich kann man seine Sexualität analytisch betrachten: Viola glaubt, dass ihr Glück davon abhängt, jemanden zu finden, zu dem sie sich zugehörig fühlen kann. Lawrence hat ihr diese Sicherheit gegeben, während sie zusammen sind, und in gewisser Weise tut er das auch nach seinem Outing und ihrer Trennung. Gleichzeitig ist er aber unerreichbar für sie, ganz egal, wie hübsch sie ist, wie sehr sie sich anstrengt. Ich habe die Geschichte für DREI WÜNSCHE HAST DU FREI über einen längeren Zeitraum entwickelt, und ich meine mich zu erinnern, dass Lawrence nicht von Anfang an schwul war. Aber, wie gesagt: Es gibt keine geheime Bedeutungsebene, es ist auch kein Versuch, meine vorhandenen Sympathien für Schwule zu unterstreichen oder gar ein Trick, um trendy zu wirken. Lawrence ist einfach so, wie er ist. So ist es ja auch im echten Leben.
PAN VERLAG: Lawrence ist ein wahrer Freund, wie man ihn sich nur wünschen kann. Reizt es Sie, einen Roman über ihn und seine Suche nach der großen Liebe zu schreiben?
Jackson Pearce: Ich habe im Moment nicht vor, eine Fortsetzung zu DREI WÜNSCHE HAST DU FREI zu schreiben, aber ich glaube auch nicht, dass jemand wie Lawrence lange darauf warten muss, bis er den Richtigen findet. Er ist einfach ein toller Typ.
PAN VERLAG: Stellen Sie sich vor, es würde ein Dschinn bei Ihnen auftauchen – was würden Sie sich wünschen?
Jackson Pearce: Gerade jetzt hätte ich gerne ein paar Fruit Rollups.
PAN VERLAG: Aber Sie hätten ja drei Wünsche frei …
Jackson Pearce: Dann würde ich mir wohl drei Packungen Fruit Rollups wünschen. Nein, Spaß beiseite: Ich würde mir wünschen, dass das Leben wie ein Musical ist, denn an Musicals gibt es doch eigentlich nichts, was man nicht lieben muss, oder? Und dann würde ich mir natürlich die wirklich wichtigen Dinge wünschen: Dass meine Familie und ich gesund bleiben … und ein Pony!


