Interview zu DAS LIED DER BANSHEE
Zwei Köpfe sind besser als einer, vor allem wenn diese beiden Köpfe sich zusammenschließen, um ein ganz besonderes Buch zu schaffen.
Die Autorin Janika Nowak
und die Grafikerin Nina Nowacki haben der abenteuerlichen Geschichte der 17-jährigen Aileen Leben verliehen – Janika Nowak mit ihren Worten und Nina Nowacki mit ihren Illustrationen.
Die PAN Redaktion hat sich mit ihnen getroffen und sie zu ihrer Arbeit ausgefragt.
PAN VERLAG: Liebe Frau Nowak, liebe Frau Nowacki, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns nehmen. Als Erstes fällt natürlich die Ähnlichkeit Ihrer Namen auf. Sind Sie beide vielleicht verwandt?
Janika Nowak Die Ähnlichkeit der Namen ist purer Zufall! Bei der Auswahl der Zeichnerin haben wir nämlich tatsächlich weniger auf den Namen als vielmehr auf die Bilder geachtet
Nina Nowacki Na, das ist gut zu wissen. Nein, verwandt sind wir nicht, aber ich fand die Ähnlichkeit auch sehr amüsant.
PAN VERLAG: Wenn Sie sich vorher nicht kannten, wie kam dann die Zusammenarbeit zwischen Ihnen zustande?
Nina Nowacki Ich habe zuvor für den Comic-Verlag New Ground Publishing gearbeitet. Ich wurde irgendwann gefragt, ob ich Interesse hätte, einen Roman für den PAN Verlag zu illustrieren und ein paar Probezeichnungen dafür anzufertigen. Für mich war es schon seit langer Zeit ein großer Traum, ein Buch zu bebildern, und deshalb war ich begeistert, als ich den Auftrag dann bekam.
Janika Nowak Die Idee, das Buch mit Illustrationen zu versehen, ist im Verlag entstanden. Als mir meine Lektorin Anne Rudolph von diesem Plan erzählte, war ich natürlich sofort Feuer und Flamme. Allerdings war auch noch ein klein bisschen Unsicherheit dabei, zumindest bis ich Ninas erste Entwürfe gesehen habe. Sie waren total schön, und nachdem wir uns auf den Stil geeinigt hatten, entsprachen sie auch genau dem, was ich mir für das Buch gewünscht hatte.
PAN VERLAG: Wenn man eine Romanverfilmung im Kino sieht, denkt man häufig „Das habe ich mir aber ganz anders vorgestellt!“. Ging Ihnen das mit den Bildern zu DAS LIED DER BANSHEE auch so, Frau Nowak?
Janika Nowak Ich muss sagen, dass Nina meine Vorstellungen doch schon ziemlich genau getroffen hat. Bei einigen Bildern war ich wirklich erstaunt, wie genau. Ich kann mich – im Gegensatz zu manchen Verfilmungen – nicht über eine „falsche Besetzung“ beklagen, und wo es nicht genau gepasst hat, haben wir unsere Vorstellungen angeglichen.
PAN VERLAG: Haben Sie die Bilder erst gesehen, als sie schon fertig waren oder auch schon vorher?
Janika Nowak Nina hat von allen Bildern zuerst Skizzen gemacht, über die wir dann gesprochen haben, bevor sie weiterzeichnete.
PAN VERLAG: Und was ist passiert, wenn Ihnen eine Skizze gar nicht gefiel?
Janika Nowak Wenn mir ein Bild nicht gefiel – was aber selten vorgekommen ist – habe ich Nina erklärt, warum nicht, und dann hat sie es dankenswerterweise verändert, bis es passte.
PAN VERLAG: Was haben Sie gedacht, als Sie die ersten fertigen Bilder sahen?
Janika Nowak Das lässt sich in einem Wort beschreiben: Wow!
PAN VERLAG: War es schwierig, Ihre Geschichte einem anderen Künstler anzuvertrauen?
Janika Nowak Nein, eigentlich nicht. Ich hatte ja die Probezeichnungen gesehen und wusste, dass meine Geschichte in gute Hände kommt. Außerdem gibt es da auch noch meine Lektorin, die aufpasst, dass meiner Geschichte nichts passiert.
PAN VERLAG: Haben Sie mit DAS LIED DER BANSHEE das erste Mal ein Buch illustriert, Frau Nowacki? Wie war es für Sie, in die Welt einer anderen Autorin einzutauchen?
Nina Nowacki Für mich war es das zweite Projekt dieser Art. Ich hatte schon einmal die Gelegenheit, einen Roman zu illustrieren, allerdings passierte das unter ganz anderen Umständen. Zum Beispiel kannte ich die Autorin schon eine Weile, und wir haben auf einer ganz anderen Basis mit der Arbeit begonnen. Bei DAS LIED DER BANSHEE hat mich ein komplett neues Arbeitsumfeld erwartet, mit Menschen, die mir zunächst natürlich noch fremd waren, und in dieser Hinsicht war es auf jeden Fall ein kleines Abenteuer. Es hat aber viel Spaß gemacht, sich in das Thema der Geschichte einzuarbeiten und sich mit den Handlungsorten, den Charakteren und der Grundstimmung vertraut zu machen. In jedem Fall war die Arbeit sehr spannend – allein die Tatsache, dass Janika als Autorin und ich als Illustratorin die Geschichte aus ganz anderen Blickwinkeln betrachten, war extrem interessant und natürlich auch herausfordernd!
PAN VERLAG: Ist die Arbeit anders, wenn Sie als Comic-Autorin Bilder für eine eigene Geschichte zeichnen?
Nina Nowacki Ich würde sagen, ja. Comic ist immer etwas filmischer als Einzelillustrationen. Wenn ich an einem eigenen Comic arbeite, bin ich allein zuständig für die Story, für das Szenario, und die auftretenden Charaktere. Hinzu kommen die Seitenaufteilungen, der Erzählfluss und, und, und – alles in allem ist der Ablauf schon ein komplett anderer, und die reine Illustration ist für mich wesentlich flexibler und in diesem Fall auch spielerischer.
PAN VERLAG: Haben Sie es bei der Arbeit an DAS LIED DER BANSHEE als Einschränkung empfunden, sich an die Beschreibungen im Text halten zu müssen?
Nina Nowacki Sicherlich bilden die Vorgaben durch den Text einen gewissen Rahmen, aus dem man nicht zu stark ausbrechen sollte, aber ich sehe das eher positiv. Ein vorgegebener Handlungsspielraum kann die Arbeit ungemein erleichtern. Außerdem lassen Janikas Beschreibungen dem Leser ja viele Möglichkeiten sich ein eigenes Bild zu machen – und genau das wollte ich in den Illustrationen widerspiegeln. Darum hatten wir uns auch von Anfang an darauf geeinigt, die Gesichter der Protagonisten nie ganz zu zeigen, damit die Vorstellungskraft des Lesers nicht zu kurz kommt.
PAN VERLAG: Haben Sie das ganze Buch gelesen und sich dann Szenen für die Bilder ausgesucht? Oder haben Sie entschieden, was illustriert werden soll, Frau Nowak?
Nina Nowacki Nein, für die Szenenauswahl war ich diesmal nicht zuständig. Aber das war auch ganz gut. Es fällt mir so schwer mich für Szenen zu entscheiden, wenn so viel schöner Input da ist.
Janika Nowak Für das Problem bin ich gerne verantwortlich. Aber diesmal haben meine Lektorin und ich uns im Voraus überlegt, welche Szenen und Figuren am wichtigsten sind.
PAN VERLAG: Hatten Sie das Buch denn komplett gelesen, bevor Sie mit dem Zeichnen angefangen haben, Frau Nowacki?
Nina Nowacki Als ich die ersten Probezeichnungen angefertigt habe, war Janika noch mitten in der Überarbeitung ihres Textes. Als das fertige Buch dann vorlag, habe ich gleich mit der Arbeit begonnen. Ich hatte vor, die Geschichte nur grob zu lesen, um mich in die Handlung einzufinden und zu wissen, was ich da überhaupt illustriere – ich kann schließlich kein passendes Bild zu einer Szene zu Papier bringen, die ich nicht kenne. Ich habe mich beim Lesen dann aber immer mehr in der Geschichte verloren. Und inzwischen habe ich diverse Passagen wirklich sehr, sehr oft gelesen.
PAN VERLAG: Frau Nowak, was hat sie zu DAS LIED DER BANSHEE inspiriert? Wie ist die Geschichte entstanden?
Janika Nowak Schon immer haben mich alte Sagen interessiert, besonders aus Irland. Die Banshees wurden darin aber häufig zu Unrecht als mordlustige Monstren dargestellt, finde ich. Dabei waren sie ursprünglich durchaus positive Figuren. Jede irische Adelsfamilie hatte ihre Banshee, die den Tod von Familienmitgliedern ankündigte und beklagte. Dieses Image wollte ich ihnen mit meiner Geschichte wiedergeben. Eine Banshee in die heutige Zeit zu transportieren und auf andere Wesen aus den Mythen und Sagen, die ich so gern lese, treffen zu lassen, hat natürlich besonders viel Spaß gemacht.
PAN VERLAG: Gab es einen Künstler oder einen Stil, an dem Sie sich für die Zeichnungen orientiert haben, Frau Nowacki?
Nina Nowacki Hmm, das ist eine gute Frage. Ich schätze, ich habe mich ein wenig an den Stil der Märchenbücher gehalten, die ich früher immer gelesen habe. Ganz am Anfang der Zusammenarbeit haben wir uns zusammen gesetzt, erst mal nach einem passenden Stil gesucht und dabei verschiedene Materialien durchprobiert. Da kamen dann auch Anregungen und Wünsche von Janika hinzu, bis wir uns für Bleistift und Aquarell entschieden haben. Die Darstellung der Motive ist etwas weicher als das, was ich normalerweise mache, aber ansonsten musste ich mich gar nicht so sehr anstrengen, um mich in die Motive einzufinden.
PAN VERLAG: Gab es irgendein Motiv, das besonders schwierig zu zeichnen war?
Nina Nowacki Ja, sogar mehrere. Und lustigerweise sind es meistens ganz simple Motive, die sich als biestig herausstellen. Es gibt zum Beispiel eine Illustration von einem Messer, über die wir uns ewig den Kopf zerbrochen haben. Aber es gab auch ein paar aufwändigere Szenen, die sich sehr gegen ihre Fertigstellung gewehrt haben. Die meisten davon gehören jetzt allerdings zu meinen persönlichen Lieblingsmotiven.
PAN VERLAG: Gibt es denn irgendeine Illustration, die Sie besonders mögen? Oder haben Sie Lieblingsszenen in DAS LIED DER BANSHEE? Vielleicht Lieblingsfiguren?
Nina Nowacki Einer meiner Favoriten ist das Bild für die Endschlacht mit den Nymphen und den Lamien. Übrigens war das auch einer der eben erwähnten, hartnäckigen Kandidaten. Aber ich hatte auch viel Spaß dabei, die verschiedenen Szenen mit den Gargoyles zu zeichnen. Und eine Lieblingsfigur? Ich glaube, ich bin ganz mädchenhaft Macius verfallen. Von dem hätte ich auch gern mehr gezeichnet … aber das kann ich ja noch nachholen.
Janika Nowak Ja, mir geht’s genauso: Meine Lieblingsfigur in der Geschichte ist auch eindeutig Macius, der Wassermann. Bei den Zeichnungen sind die Gargoyles und der Satyr meine Favoriten. Aber auch der Göttertempel mit seiner Sternenkuppel ist total schön. Das ist wirklich eine schwere Entscheidung, denn alle Bilder sind super.
PAN VERLAG: Wie geht es weiter? Können wir uns auf ein nächstes Buch über Aileen und ihre Freunde freuen?
Janika Nowak Ja, auf jeden Fall. Die Abenteuer um Aileen und Co. gehen im Dezember 2011 weiter, diesmal habe ich den Fokus aber mehr auf Aiko und die japanische Sagenwelt gelegt.
PAN VERLAG: Können Sie uns vielleicht noch ein bisschen mehr verraten?
Janika Nowak Nur so viel: Die japanische Mythen- und Götterwelt hat einige sehr interessante Settings und Geschichten zu bieten, die ich aufgegriffen habe, um die Helden ordentlich ins Schwitzen zu bringen. Deshalb werden die Leser um einen liebgewonnenen Charakter ziemliche Angst haben müssen, aber es wird auch wieder eine romantische Liebesgeschichte geben.
PAN VERLAG: Gibt es eine Frage, die Sie gern beantworten würden, die ich aber nicht gestellt habe?
Janika Nowak Ähm, nö ...
Nina Nowaki Dem kann ich mich nur anschließen. Ich bin nur froh, dass ich bei den bisherigen Fragen nicht ins Stottern geraten bin.
