„Rebellion hat viele Gesichter“
Ein Interview mit Sara Grant, Autorin des Romans NEVA Sara Grant wurde 1968 in Washington geboren und lebt heute mit ihrem Mann und ihren beiden erwachsenen Stiefkindern in London. Sara Grant studierte Journalistik und Psychologie an der Bloomington Universität in Indiana und machte später den Master in Creative and Life Writing am Goldsmiths College der Universität von London. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet Sara Grant auch für Working Partners, die erfolgreiche Buchreihen für Kinder produzieren.„Die Erfindung der Rechtschreibprüfung hat mich gerettet!“
PAN VERLAG: Beschreiben Sie sich zu Anfang doch bitte selbst mit drei Worten, damit unsere Leser Sie ein bisschen besser kennenlernen.
Sara Grant Über so eine Frage habe ich schon oft und viel nachgedacht. Ich hoffe sehr, dass die Worte, die andere für mich verwenden würden, „loyal“, „rücksichtsvoll“ und „verlässlich“ sind. Nicht gerade sehr aufregend, aber sehr wichtig. Außerdem bin ich manchmal ziemlich verrückt und mache mir ständig Sorgen, aber ich gebe mir Mühe, diese Charaktereigenschaften unter Kontrolle zu halten.
PAN VERLAG: Wann haben Sie angefangen zu schreiben?
Sara Grant Ich habe mir schon als Kind Geschichten für meine Barbies ausgedacht und mit acht meine erste Kurzgeschichte geschrieben, auch wenn sie einfach nur ein Abklatsch der Fernsehserie „Drei Mädchen und drei Jungen“ war. Meine erste wirklich eigene Geschichte hieß „Abenteuer in der Brotschublade“ und handelte von einem geschrumpften Mädchen, das in einem halb vertrockneten Twinkie – das ist so ein kleiner Kuchen mit Cremfüllung, kennen Sie die? – eine Familie namens „Die Keimlinge“ kennenlernt …
PAN VERLAG: Und damit stand ihr Berufswunsch schon so früh fest?
Sara Grant Um ehrlich zu sein: Ich war damals überzeugt, dass ich keine professionelle Schriftstellerin werden könnte, da ich so mies in Rechtschreibung war. Der Computer und die Erfindung der Rechtschreibprüfung haben mich gerettet!
PAN VERLAG: Was ist schwerer: Den ersten Satz zu schreiben oder den letzten?
Sara Grant Definitiv den ersten. An diesem ersten Satz hängt so viel. Er muss den Leser sofort packen und andeuten, wohin die Reise gehen soll. Manch großartiger erster Satz verweist auf das Ende der Geschichte. Der letzte Satz dagegen entwickelt sich aus dem Geschehen, daher habe ich ihn oft schon geschrieben, bevor ich noch zum letzten Kapitel komme. Beim ersten Satz soll der Leser nach Luft schnappen, beim letzten seufzen. Das lässt sich leicht sagen, aber manchmal so unglaublich schwer umsetzen.
PAN VERLAG: Wie sieht Ihr Alltag als Schriftstellerin aus?
Sara Grant Das ist sehr unterschiedlich, aber wenn ich schreiben will, sitze ich gewöhnlich um acht am Schreibtisch. Wenn der Abgabetermin noch nicht drängt, gönne ich mir oft Zeit mit meinen Katzen, einem guten Buch und einer Tasse Kaffee, um mich einzustimmen. Normalerweise schreibe ich ein paar Stunden, gehe laufen oder ins Sportstudie, anschließend schreibe ich am Nachmittag wieder ein paar Stunden. Aber wenn der Abgabeschluss bevorsteht, nehme ich mir manchmal nicht einmal Zeit zum Duschen.
PAN VERLAG: Dann sitzen Sie nonstop an ihrem Schreibtisch?
Sara Grant Ich schreibe ausgesprochen gerne im Zug oder im Café. Ein Tapetenwechsel bringt mich oft auf neue Ideen und hält mich vor allem davon ab, den Fernseher einzuschalten, meine Emails abzurufen oder mir das Buch vorzunehmen, das ich gerade lese.
„Man kann eine ganz eigene Welt erschaffen,
obwohl man nur einige Details verändert.“
PAN VERLAG: Was hat Sie dazu inspiriert, NEVA zu schreiben?
Sara Grant NEVA ist mein erster Roman, der veröffentlicht wird. Wenn man aber die Geschichten analysieren würde, die ich vorher geschrieben habe (und die alle sicher weggeschlossen sind), dann findet man wahrscheinlich in allen dieselbe Botschaft: Jeder Mensch kann auch allein etwas bewirken. Ich denke, jeder Schriftsteller hat so eine Kernüberzeugung, die seine Arbeit mehr oder weniger stark beeinflusst. Hinzu kommt mein Umzug nach England: Sowohl die USA, als auch Großbritannien hadern mit dem Thema Immigration, während ich überzeugt bin, dass die Vielfalt verschiedener Kulturen uns stärker macht. Also überlegte ich, was geschehen würde, wenn man Landesgrenzen schließt und sich vor fremden Menschen und fremden Gedanken abschottet. NEVA ist meine Antwort auf diese Frage.
PAN VERLAG: Was gefällt Ihnen am Genre der Dystopie, also der negativen Zukunftsvision?
Sara Grant Es ist schon erstaunlich, dass ausgerechnet mir Dystopien so zusagen, die ja düstere Welten beschreiben, denn ich bin die geborene Optimistin: Ich glaube an das Gute im Menschen und blicke sehr zuversichtlich in die Zukunft. Was mich an Dystopien reizt, ist die kreative Freiheit: Man kann eine ganz eigene Welt erschaffen, obwohl man nur einige Details verändert, und mit der Idee spielen, wie sich das Leben dadurch verändert. So kann man auch wichtige Themen auf eine ganz neue Art betrachten. Es kann allerdings auch ziemlich entmutigend sein, wenn man feststellt, welch eine verheerende Wirkung ein einziges verändertes Detail haben kann. Man darf aber natürlich nicht nur einfach eine glaubhafte Welt konstruieren, man muss auch eine spannende Geschichte mit authentischen Figuren schreiben.
PAN VERLAG: Haben Sie viel recherchiert, um das politische und gesellschaftliche System in der Protektosphäre zu entwickeln?
Sara Grant Natürlich spielte ich lange mit der Frage „Was wäre wenn?“ herum. Das politische und gesellschaftliche System in Heimatland hat sich dann langsam entwickelt: Ich habe bei jeder Überarbeitung des Manuskripts wieder neue Ebenen hinzugefügt und so mein eigenes Verständnis für das Leben in dieser isolierten Gesellschaft ausgebaut. Außerdem habe ich ziemlich viele dystopische Romane gelesen – moderne wie auch klassische. Und, ganz ehrlich: Viel habe ich ganz einfach dadurch gelernt, dass ich täglich die Zeitung las.
PAN VERLAG: Ist Ihr Roman also auch ein Kommentar zur politischen Situation unserer Zeit?
Sara Grant NEVA ist meine Reaktion darauf, in zwei verschiedenen Ländern zu leben, die sich in Zeiten der Globalisierung bemühen, ihr kulturelles Erbe zu bewahren. Da wir rund um die Uhr miteinander kommunizieren und problemlos reisen können, ist mein tatsächlicher Aufenthaltsort in vieler Hinsicht irrelevant geworden, nur um in anderer Hinsicht umso ausschlaggebender zu sein.
PAN VERLAG: Das müssen Sie uns genauer erklären.
Sara Grant Ich kann jedem auf der Welt eine SMS schicken, die ihn sofort erreicht, ich kann in London leben und trotzdem für einen Verleger in Deutschland schreiben. Trotzdem beeinflusst das Land, in dem ich geboren wurde, immer noch das, an was ich glaube, und meine Zukunftschancen. Das ändert sich gerade – ich hoffe zum Besseren. Und ich hoffe natürlich sehr, dass sich ein Land niemals so abschotten wird, wie Heimatland es in meinem Roman tut.
PAN VERLAG: Nevas Leben in Heimatland ist durchaus privilegiert, dementsprechend beginnt ihre Rebellion gegen das System eher unschuldig: Slogans an Wände zu schreiben könnte man auch noch als Streich ansehen.
Sara Grant Es ist immer leicht, die Welt so zu akzeptieren, wie sie auf den ersten Blick scheint. Und wenn man ein angenehmes Leben führt, warum sollte man es dann anzweifeln oder ändern? Wir wollen doch gar nicht wissen, was unser Lebensstil wirklich kostet. Wissen Sie, wir alle müssen uns an die Gesetze unseres Landes halten, aber wir setzen uns gleichzeitig selbst Grenzen: Wenn wir glauben wollen, dass etwas okay ist, dann werden wir auch eine entsprechende Rechtfertigung dafür finden.
„Ich möchte gerne glauben,
dass ich eine Rebellin wäre.“
PAN VERLAG: Da haben Sie recht. Aber es ist ein sehr ernüchternder Gedanke, oder?
Sara Grant Irgendwann erreicht jeder die Grenzen dessen, was er noch vertreten kann. In meinem Roman gerät Heimatland zunehmend außer Kontrolle, die Regierung beschneidet die persönliche Freiheit immer mehr. Neva steuert dadurch auf einen Punkt zu, an dem der Status Quo für sie nicht mehr zu ertragen ist, und noch dazu erfährt sie, dass sie nicht allein ist mit ihrem Wunsch, gegen die Obrigkeit zu rebellieren.
PAN VERLAG: Sie glauben also, dass jeder Menschen sich irgendwann gegen ein dunkles System stellen wird?
Sara Grant Neva ist im Herzen eine Rebellin, und deswegen ist sie dazu bestimmt, eines Tages ihre Frau zu stehen, etwas zu bewirken und eine positive Veränderung herbeizuführen. Das liebe ich so an ihr.
PAN VERLAG: Ganz so einfach dürfen Sie sich um meine Frage nicht herummogeln, darum noch einmal konkret: Falls Sie in einem totalitären System leben müssten, würden Sie dagegen aufbegehren?
Sara Grant Ich möchte gerne glauben, dass ich eine Rebellin wäre und für das einstünde, was ich für richtig halte. Aber das lässt sich natürlich in der Bequemlichkeit meiner Londoner Wohnung leicht sagen. Es ist viel schwerer, dies zu tun, wenn einem ein Gewehr entgegengehalten wird oder eine Protektosphäre im Weg steht. Ich würde zum Beispiel gerne glauben, dass ich mit Martin Luther King marschiert wäre, und dass ich immer dann eingreifen werde, wenn ich Ungerechtigkeit erlebe. Aber wenn ich ehrlich bin, kann ich nur sagen: Ich weiß es nicht. Mit NEVA erinnere ich mich selbst aber auch daran, dass es die kleinen Kriege sind, denen wir uns stellen müssen: Menschen, die rassistische Witze erzählen, klar machen, dass das nicht akzeptabel ist. Die Partei wählen, die kulturelle Vielfalt fördert, statt an einem antiquierten Wertesystems festzuhalten. Rebellion hat viele Gesichter, und der Kampf um Vielfalt und Gleichheit wird täglich auf privaten Schlachtfeldern ausgefochten. Ich kann nur hoffen, dass ich es gut mache. Aber jetzt Schluss mit meinem Wort zum Sonntag …
PAN VERLAG: Welche Figur steht Ihnen näher – Neva oder Sanna?
Sara Grant Ich bin wahrscheinlich eher wie Neva. Wir haben beide chaotische Zimmer, und ich neige wie sie dazu, erst einmal alle Regeln zu befolgen, es anderen recht zu machen, und die Erwartungen zu erfüllen, die an mich gestellt werden. Neva und ich wollen beide die Welt besser machen, sind aber nicht sicher, ob wir stark genug dafür sind. Ich fände es schön, wenn ich – so wie Neva in meinem Roman – stärker bin, als ich denke.
PAN VERLAG: Und was empfinden Sie für Sanna?
Sara Grant Ich liebe Sanna. Ich will nicht zuviel über den Inhalt meines Romans verraten, aber ich hoffe, dass die Leser Sanna am Ende des Buchs genau so wie ich noch mehr mögen werden als am Anfang. Sie hat viel durchgemacht, sie hat ihre Familie verloren und sehnt sich nach Aufmerksamkeit und Zuneigung. Trotzdem hat sie noch immer erstaunlich viel Energie. Sie ist fast ein bisschen übermenschlich. Sanna rüttelt gerne auf, macht sich allerdings nicht immer ausreichend Gedanken über die langfristigen Auswirkungen ihrer Taten. Wahrscheinlich liegt das daran, dass sie meint, sie habe keine Zukunft.
PAN VERLAG: Die beiden Freundinnen sind ein tolles Paar: Sanna liebt das Risiko, Neva ist bodenständiger.
Sara Grant Und beide brauchen einander und profitieren vom Einfluss der anderen: Sanna will Aufsehen erregen und Neva etwas bewirken.
PAN VERLAG: Die nächsten drei Fragen verraten einige entscheidende Details über den Inhalt – wer keine Spoiler mag, sollte sie deswegen überspringen. Verraten Sie uns noch ein bisschen über Braydon? Im Gegensatz zu anderen Romanen, in denen starke Frauen im Mittelpunkt stehen, ist er weit mehr als einfach nur der „Love Interest“.
Sara Grant Braydon ist geheimnisvoll, und genau das finde ich an ihm so attraktiv. Außerdem ist er ein Opfer der Gesellschaft, in der er lebt. Er ist nicht eindeutig gut oder schlecht. Er tut, was er tun muss, um zu überleben. Durch Neva und Braydon wollte ich mich der Frage nähern, was Anziehungskraft ausmacht, warum man sich zu jemandem hingezogen fühlt – dieses gewisse Etwas, das sich nicht erklären lässt. Jeder hat sich schließlich schon einmal in jemanden verliebt, der gar nicht in Frage kommen dürfte.
PAN VERLAG: Auch Ethan ist eine großartige Figur – durch ihn zeigen Sie uns, wie ein Mensch sich durch den Konflikt mit der Obrigkeit verändern kann. Hätten Sie selbst Angst davor?
Sara Grant Absolut. Die Figuren in NEVA geben zu verschiedenen Zeitpunkten dem Druck der Regierung nach. Ethan ist jemand, der rebellieren will, aber als es hart auf hart kommt, gibt er auf. Diese Frage betrifft uns doch alle: Wie weit treibt man es? Tritt man auch weiterhin für seine Überzeugungen ein, wenn man verhört wird, eingesperrt, gefoltert? Wo zieht man die Grenze? Würde man auch für das, an das man glaubt, sterben? Das sind definitiv Fragen, die die Geschichte durchziehen.
PAN VERLAG: Welche Figur aus NEVA würden Sie gerne treffen können?
Sara Grant Nevas Großmutter. Sie ist mutig und selbstbewusst und leistet Widerstand, bevor irgendjemand anderer auf die Idee kommt, sich gegen die Regierung aufzulehnen. Ich habe die Figur meiner eigenen Großmutter väterlicherseits nachempfunden. Sie ist vor über zehn Jahren gestorben, aber ich vermisse sie immer noch jeden Tag schmerzlich.
„Ich liebe die Vielfalt“
PAN VERLAG: Lassen Sie uns nun noch etwas über Sie sprechen. Sie sind eine Amerikanerin, die in London lebt. Wo sehen Sie die größten Unterschiede?
Sara Grant Die Antwort darauf könnte ein Buch füllen (und Bill Bryson hat, glaube ich, tatsächlich eins darüber geschrieben). Aber ich denke, dass der größte Unterschied für mich darin liegt, dass ich in einem kleinen Kaff in Indiana aufgewachsen bin und nun in einer der größten Städte der Welt lebe. Ich liebe die Vielfalt und die Möglichkeiten in London, aber ich habe auch den Zusammenhalt und die Gastfreundschaft in Indiana geliebt. In einer Millionenstadt kann man sich isoliert fühlen, aber die Anonymität, die die große Stadt mit sich bringt, hat auch viele Vorteile. In einer Kleinstadt kommt es mir immer vor, als wüsste jeder alles über mich.
PAN VERLAG: Was ist der typische Duft Ihrer Kindheit?
Sara Grant Ich mochte immer den etwas muffigen Geruch im Keller meiner Oma. Ich war oft bei ihr, durfte aber selten in den Keller – ich glaube sogar, ich durfte nur ein- oder zweimal hinunter. Aber es gab da so einen merkwürdigen Geruch, bei dem man sofort an verborgene Familienschätze denkt, die man unbedingt entdecken möchte.
PAN VERLAG: Welcher Kindheitstraum hat sich für Sie noch nicht erfüllt?
Sara Grant Ich bin ein Riesenfan der Oscarverleihung. Ich bleibe immer die ganze Nacht auf, um alles live zu sehen, und bei den Dankesreden muss ich immer heulen. Jedes Jahr, so lange ich mich erinnern kann, probe ich meine eigene. Dummerweise habe ich noch keinen Oscar gewonnen, daher konnte ich die Rede noch nicht halten. Natürlich darf man dabei die Kleinigkeit nicht außer Acht lassen, dass ich bisher weder in einem Film gespielt, noch ihn geschrieben, gedreht, produziert oder inszeniert habe, und so weit ich das richtig verstanden habe, ist dieser Schritt notwendig ...
PAN VERLAG: Was ist das Ungewöhnlichste, das Sie bisher getan haben, um einen anderen Menschen zu beeindrucken?
Sara Grant Als Zehnjährige war ich verliebt in einen Jungen aus meiner Klasse. Er hieß Wade. Damals war „Grease“ – die Verfilmung des Musicals – total angesagt; ich hatte das Doppelalbum und spielte es rauf und runter. Am liebsten sang ich bei „Hopelessly devoted to you“ mit, nur dass ich das „you“ durch „Wade“ ersetzte. Irgendwann nahm ich meine Version auf Kassette auf und schenkte sie ihm. Weil er ein anständiger Kerl war, sprach er nie wieder davon, und ich bin sehr, sehr dankbar, dass es damals noch kein YouTube gab. So weit ich weiß, ist das Band längst vernichtet worden. Tja, und wahrscheinlich war es auch recht drastisch, meinen Job aufzugeben und Familie und Freunde und Heimat zu verlassen, um mit meinem englischen Traummann zusammenzuleben. Wir sind jetzt seit sechs Jahren verheiratet – offenbar habe ich ihn also damit beeindruckt.
PAN VERLAG: Was war die beste Entscheidung Ihres Lebens?
Sara Grant Nach London zu ziehen und meinen Mann zu heiraten. Er ist in jedem Sinne des Wortes mein Partner und macht mich unendlich glücklich.
PAN VERLAG: Was versetzt Sie in schlechte Stimmung?
Sara Grant Ich mag nicht herablassend behandelt werden, und ich mag keine Leute mit aufgeblasenem Ego.
PAN VERLAG: Und was macht Ihnen gute Laune?
Sara Grant Zahllose Dinge. Mein Mann weiß, wie er mich zum Lachen bringt. Unerwartete Freundlichkeit. Schönheit. Kuscheln mit den Katzen. Und seit kurzem der Soundtrack der Fernsehserie „Glee“.
PAN VERLAG: Für welches Produkt würden Sie Werbung machen? Und, nein – das eigene Buch gilt nicht.
Sara Grant Ich würde Unmengen Geld sparen, wenn ich für Coca Cola Light werben könnte – vorausgesetzt ich bekomme eine lebenslange Versorgung für meine Bemühungen.
PAN VERLAG: Welche Figur aus einem Roman oder Buch würden Sie gerne kennenlernen? Und warum?
Sara Grant Das ist schwierig. Ich lese im Moment „Wer die Nachtigall stört“ und würde darum gerne Atticus Finch kennenlernen, aber vielleicht liegt das auch nur daran, dass Gregory Peck ihn in der Verfilmung gespielt hat. Einer meiner Lieblingsfilme ist „Ist das Leben nicht schön?“, aber ich fürchte, dass George Bailey wohl nicht der spannendste Gesprächspartner wäre. Viele Roman- oder Filmfiguren, die mich faszinieren, sind mysteriös, und ihnen zu begegnen, könnte das Geheimnisvolle schmälern. So ist es ja auch, wenn man einen Filmstar trifft: Man stellt fest, dass er auch nur ein Mensch ist, und das ist immer ein bisschen enttäuschend.
PAN VERLAG: Welches historische Ereignis hätten Sie gerne miterlebt?
Sara Grant Ich muss zugeben, dass ich kein großer Geschichtsfan bin. Ich schaue lieber nach vorne als zurück. Allerdings fand ich es beeindruckend, Barack Obamas Amtseinführung im Fernsehen mitzuerleben, und das war natürlich ein historischer Moment.
PAN VERLAG: Wenn Sie mit einem Fingerschnipsen etwas an Ihrem Leben verändern könnten – was wäre das?
Sara Grant Ich würde überhaupt nichts ändern wollen. Okay, vielleicht hätte ich gerne zwanzig Pfund weniger, aber wenn ich mich mehr bewegen und aufpassen würde, was ich esse, hätte ich denselben Effekt.
PAN VERLAG: Aber wenn Sie die berühmten drei Wünsche frei hätten – welche wären es?
Sara Grant Weltfrieden. Das Ende der Armut. Ein Heilmittel gegen Krebs. Obwohl ich wahrscheinlich lieber höflich ablehnen würde. Ich habe mir zu oft gewisse Szenarien ausgemalt, um zu wissen, dass man vorsichtig mit dem sein sollte, was man sich wünscht. Wie wäre die Welt, wenn meine Wünsche erfüllt würden? Hoffentlich ein besserer Ort zum Leben, aber wer weiß, was für einen Dominoeffekt sie hätten? Vielleicht würde jemand, den ich liebe, dadurch sterben. Oder was, wenn man Krebs nur heilen könnte, wenn … Nein, das will ich mir gar nicht vorstellen. Behalten Sie Ihre drei Wünsche einfach.
PAN VERLAG: Haben Sie ein Lebensmotto?
Sara Grant Ich habe sogar zwei, die aber eng zusammenhängen: „Jeder Augenblick zählt“ und „Jeder einzelne kann etwas bewirken“.
PAN VERLAG: Wenn Sie an drei verschiedenen Orten der Welt frühstücken, zu Mittag und zu Abend essen könnten, wo würde das sein?
Sara Grant Essen hat für mich mehr mit Geborgenheit und Familie zu tun als mit schicken Restaurants. Meine Mutter macht hervorragende Würste mit Soße und Brötchen, das würde ich bei meinen Eltern essen wollen. Außerdem würde ich mir von meiner Oma ihre Rindfleischsuppe mit Gemüse zubereiten lassen. (Okay, das war nicht fair, ich weiß: Dazu müsste ich das Element der Zeitreise einführen.) Außerdem würde ich meine ganze Familie zu Bobe’s in Washington einladen, um seine berühmte Farouk-Pizza zu essen. Und ich müsste hier und da mit meinen besten Freunden ein paar Tortillachips mit Salsa einlegen. Aber wenn ich an einem Tag so viel essen würde, müsste ich ihn im nächstgelegenen Krankenhaus beenden und mir den Magen auspumpen lassen ...
PAN VERLAG: Das wollen wir natürlich nicht riskieren. Trotzdem noch eine letzte Frage: Wie essen Sie einen Schokoriegel? Schnell, genüsslich … oder gar nicht?
Sara Grant Schokoriegel sind nicht mein Fall. Wenn ich mal einen esse, dann viel zu schnell, aber falls ich nie wieder Süßes zu mir nehmen dürfte, wäre es nicht besonders tragisch für mich. Ein Kartoffelverbot dagegen würde ich kaum überleben. Ich liebe Kartoffeln in jeder Form: gebacken, gebraten, frittiert, gekocht, zerstampft, gegrillt … Kartoffeln sind das ideale Nahrungsmittel.
