Meridian

Von Amber Kizer

Leseprobe

Die Insekten waren die Ersten, die zu mir kamen; am Morgen, nachdem meine Eltern mich aus dem Krankenhaus nach Hause brachten, mussten sie tote Ameisen aus meinem Tragekörbchen entfernen. »Tot« war das erste Wort, das ich lernte.
Als ich eines Morgens, ich war etwa vier, aus dem Bett stieg, trat ich auf eine riesige Kröte, die zerplatzte wie ein mit Wasser gefüllter Ballon. Danach schaltete ich nie wieder das Licht aus.
In meinem sechsten Lebensjahr schlief ich nur noch im Sitzen, weil ich glaubte, die Sterbenden, die sich mir näherten, so rechtzeitig erkennen zu können. Manchmal hatte ich das Gefühl, meine Eingeweide seien mit Glasscherben gefüllt. Die Seelen der Tiere, die durch mich hindurchwanderten, waren einfach zu groß, zu übermächtig. Wenn ich dann morgens erwachte, schaute ich stets als Erstes in die blicklosen Augen einer Maus auf meinem Kopfkissen. Doch ich konnte mich einfach nicht an den Tod als meinen ständigen Begleiter gewöhnen.

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